Bosnien # 2
Nach der Recherche geht die Arbeit erst richtig los. In Bosnien hatte ich noch Zeit, um dreimal am Tag mit Freunden Kaffee trinken zu gehen. Jetzt, zurück in Hagen, war ich seit zwei Tagen nicht mehr vor der Haustür.
Emails beantworten, Bilder editieren, Ausstellungen vorbereiten, Rechnungen schreiben – eigentlich lästige Arbeit, die am Ende aber den Großteil meines Jobs als Fotograf ausmacht. Ich würde trotzdem nicht tauschen wollen: Die Erinnerungen an Bosnien machen die Büroarbeit erträglich und sind ein guter Puffer gegen die deutsche Alltagsroutine (besonders schlimm ist die in Hagen!). Morgen bekomme ich endlich die Negative aus dem Labor zurück: Bosnien ist mein erstes Projekt, das ich auf Film fotografiere!
Leica hatte mir vor meiner Reise nach Bosnien ein “M 28mm 2.8″-Objektiv für meine Leica MP geliehen. Diese Kombination – eine kleine, leise und unauffällige Kamera – hat mir vieles vereinfacht in Bosnien. Gerade in schwierigen Situationen: zum Beispiel, als ich das Massenbegräbnis in Srebrenica fotografierte.
Es ist gar keine Frage, dass man dort auch mit einer DSLR sehr gute Bilder machen konnte. Ich habe das auch versucht. Aber das laute Klacken des Spiegels bei meiner digitalen Spiegelreflexkamera war in der sehr leisen und emotional aufgeladenen Bestattungshalle wahnsinnig störend. Ich war froh, meine Leica dabei zu haben – so musste ich den trauernden Familienangehörigen nicht noch eine fotografierende AK-47 ins Gesicht halten.
Beim Fotografieren auf Film wähle ich meine Momente viel bewusster aus. Ich habe das Gefühl, die Bilder sind persönlicher als sonst. Für mich bedeutet der Wechsel zur analogen Fotografie einen Schritt weiter in einer Entwicklung, die mit meinen letzten Blidern aus Kashmir ihren Anfang genommen hat. Seitdem geht es mir mehr um eine persönliche Sicht der Dinge: um Bilder, die berühren und bei denen man eine Beziehung von Fotograf und Fotografiertem erkennen soll. Eine kleine Auswahl dieser Bilder, aufgenommen mit der schon genannten Leica, einer Holga und einer Panoramakamera, wird es hier in den nächsten Wochen zu sehen geben.








Super Fotos!!!
Aha, die Alltagsroutine ist in Hagen besonders schlimm – ob es hier in Wuppertal besser ist
Jedensfalls kenne ich das, was Du schreibst, auch nur zu gut … Das nach einer Rückkehr die Arbeit oft erst so richtig anfängt …
Die Bilder sind wie immer voller Spannung. Interessant Deine “analogen Gedanken”. Ich bin gespannt darauf, mehr zu sehen!